Unten ein klein wenig CB-Nostalgie
Die Moeller Copilot war damals (1979-80) der
Mercedes unter den CB-Geräten.
Bei uns in Österreich kostete sie knapp 5.000.- ATS, also ca. 360 Euro.
12 Kanal AM (4-15). Es gab aber später auch einen Umbausatz für FM.
MEIN (UM)WEG ZUM CB-FUNKER
Geschichte eines CB-lers.
Wer Zeit und Online-Kosten sparen will findet
hier
die
Zip-Datei
Durch reinen Zufall kam ich eines Tages in den Besitz eines Kataloges für elektronische Bausätze. Elektronik hatte mich schon immer wahnsinnig interessiert, aber meine angeborene Bequemlichkeit ließ es bei diesem oberflächlichen Interesse bleiben, nachdem ich herausgefunden hatte, dass man unbedingt zuerst etwas lernen hätte müssen, um diese Materie nur halbwegs zu begreifen. Aber zurück zu diesem Katalog. Die einleitenden Worte versprachen dem Leser, dass, wenn er nicht total behämmert sei und auch nicht zu jener Gruppe von Männern zähle, die nach dem Einschlagen eines Nagels die Hand zwei Wochen in der Schlinge tragen müssen, all diese Bausätze selbst zusammenbauen zu können. Das war genau das Richtige für mich. Ein elektronisches Etwas herstellen zu können, ohne mich vorher mit dem so verhassten Lernen aufhalten zu müssen! Doch mit welchem dieser Bausätze sollte ich beginnen? Es müsste etwas sein, womit ich meine Angetraute, die für meine bisherigen diversen Hobbys ebensoviel Interesse hatte, wie ich für ihre Handarbeiten, überzeugen konnte, dass dieses Ding auch einem praktischen Zweck dienlich sei. Ich blätterte unschlüssig in den Seiten, da stieß ich auf das Wort "BIOIONISATOR". Wie herrlich kompliziert alleine schon dieses Wort klang. Ich sprach es einige Male vor mich hin. "Bioionisator, Bioionisator, Bioionisator, ..." Ich sah mich schon im Geiste beim Stammtisch sitzen und meinen Freunden gegenüber ganz beiläufig den von mir gebauten Bioionisator erwähnen und die Gesichter meiner Stammtischkollegen würden Neugierde und Hochachtung wiederspiegeln. Ich begann weiter zu lesen: Erstens erzeuge dieses Gerät im Wohnraum ein elektrisches Gleichfeld, das mit der reinen Luft nach einem Gewitter vergleichbar sei. Aha! Zweitens würde man damit die Raumluft weitgehendst von Mikroorganismen und Staubpartikelchen freihalten. Zweimal Aha! Drittens binde es den Zigarettenrauch in der Luft zu kleinen Kügelchen, die man dann nach dem Herabschweben nur mehr aufsaugen müsse. Suuuuuper! Also das war genau das, was unser Haushalt dringend benötigte und schon nur einer dieser erwähnten Vorzüge des Gerätes würde meine Gattin von der unumgänglichen Notwendigkeit dieser Anschaffung überzeugen. Und das um nur 350 Schilling! Ich war davon so überzeugt, dass ich meine Frau erst gar nicht um Erlaubnis bat (nicht dass Sie nun glauben ich sei ein Pantoffelheld, meine Frau trägt keine Pantoffel) und diesen Bausatz gleich kaufen ging. Alleine schon der Anblick von den kleinen verschiedenfärbigen Teilchen im durchsichtigen Plastiksäckchen versetzte mich in Verzücken. Ich konnte es fast nicht erwarten, damit nach Hause zu kommen. Jetzt fällt mir gerade ein, dass ich damals nicht zu Fuß war, sondern mit dem Wagen gefahren bin. Sie werden nun meinen, das sei Ihnen schnuppe. Ihnen vielleicht, aber nicht mir! Denn für diese Ungeduld, zu meiner Bastelei zu kommen, musste ich 4 Wochen später 500 Schilling wegen Schnellfahrens berappen. Aber das nur am Rande. Ich hatte mir den Nachmittag freigenommen, die Firma weiß heute noch nichts davon, und setzte mich zu Hause angekommen, sofort an meinen Arbeitstisch. Meine Gattin würde erst am Abend heim kommen und ich wollte ihr meinen Bioionisator schon funktionsfähig vorführen. Es ging alles wie am Schnürchen. Sogar die Lötstellen an der Unterseite der Printplatte sahen nicht aus, wie matte kleine Kügelchen, sondern wie in der Anleitung gefordert, wie kleine, glänzende Maulwurfshügel. Zuletzt lötete ich noch das Kabel mit dem Netzstecker auf die Printplatte. Übrigens das Einzige aus diesem Bausatz, das ich von den diversen Elektrogeräten im Haushalt schon kannte. Dann schob ich zitternd und mit etwas feuchten Händen den Stecker in die dafür vorgesehenen Löcher in der Wand. Ehrlich gesagt, ich hatte mit einem Knall und darauffolgenden Kurzschluss gerechnet. Aber welch Wunder. Nichts regte sich! Auch nicht der dünne Plastikstreifen, den man zur Funktionskontrolle über eine bestimmte Stelle des Gerätes halten sollte. Aber ich glaube, das muss ich zum besseren Verständnis doch etwas genauer erklären: Das von mir zusammengelötete Bauteil hatte ich in das beiliegende Kunststoffgehäuse eingebaut. Oben auf dem Deckel setzte ich meinem Bioionisator im wahrsten Sinne des Wortes die Krone auf. Das kleine schwarze Ding, genannt Kühlkörper, sah wirklich wie eine kleine Krone aus, nur dass sie nicht rund, sondern quadratisch war. In der Mitte dieser Mini-Krone befand sich eine Art Stecker und in diesen hatte ich laut Anleitung eine geköpfte Stecknadel gelötet. Diese simple Stecknadel sollte den sogenannten "Ionenwind" abgeben und der erwähnte Plastikstreifen sollte diesen anzeigen. Vom Wind keine Spur! Auch sollte über der Nadel der typische Geruch nach Ozon festzustellen sein. Weiß der Teufel, wie Ozon riecht, hier roch es jedenfalls nach überhaupt nichts! Nur die Nadel stach, nachdem ich das Ozon zu Nahe an deren Spitze vermutet hatte. Ich zog also wieder den Stecker aus der Dose, öffnete die Schachtel und besah mir das widerspenstige Ding genauer. Da war erstens links und rechts eine lange Reihe von zusammengedrückten Papierröllchen, aus denen unten zwei Drähte herausragten, die ihrerseits an der Unterseite der Printplatte durch die schon erwähnten Maulwurfshügel am herausrutschen gehindert wurden. Ich besah mir genau jedes dieser Dinger, laut Beschreibung hießen sie Kondensatoren, konnte aber nichts absonderliches feststellen. Dann waren da auch noch zwei Dinger mit Farbstreifen rundherum. Es waren sogenannte Widerstände. Aber auch sie hatten nicht den kleinsten Kratzer. In der Mitte zwischen diesen beiden Reihen von Kondensatoren befand sich eine Reihe untereinanderliegender schwarzer Röllchen, die an einem Ende einen weißen Ring hatten, sie hießen Dioden und davon hatte ich schon irgendwo gehört, oder gelesen. Diese Dioden hatte ich, wie in der Anleitung beschrieben, so eingelötet, dass immer eine Diode den weißen Ring auf jenem Ende hatte, wo die darunter liegende keinen hatte. Hoffentlich habe ich dies halbwegs verständlich erklärt. Jedenfalls genau in der Mitte dieser langen Reihe von Dioden lagen zwei weiße Streifen friedlich nebeneinander. Kopf an Kopf, wenn sie so wollen. Verdammte Schei..! Da es insgesamt 24 Dioden waren, hieß das nicht mehr und nicht weniger, als dass ich zwölf dieser verdammten Dinger wieder herausnehmen und umdrehen musste! Heute weiß ich, dass es Absauger und Sauglitzen gibt, doch damals habe ich jede einzelne Lötstelle mit dem Lötkolben wieder weich machen müssen, um das verdammt heiße Ding auf beiden Seiten herauswackeln zu können. Wenn ich daran denke, vermeine ich noch heute die Schmerzen in meinen verbrannten Fingerkuppen zu verspüren. Dann lötete ich diese zwölf Dioden fein säuberlich wieder ein, schloss die Schachtel wieder und schob mehr als pessimistisch den Stecker in die Dose. Aber siehe da, das Plastikstreifchen bewegte sich schüchtern und als ich die Nase nahe genug an die Nadel hielt, roch es wahrhaftig nach rasengebleichter Wäsche! Ich war happy! Und den Staub zog dieses Wunderding der Technik wirklich auch an, denn als ich nach dem Besuch des Badezimmers, zwecks Kühlung meiner Finger und noch wegen einer anderen Sache wieder zurückkam, war die schwarze Mini-Krone tatsächlich schon leicht angezuckert. Nur als ich dann im Laufe einer Stunde die Staubfreiheit der Luft gegen das Sonnenlicht bestätigt sehen wollte, wusste ich, dass ich für meinen kleinen Heimwerkerraum mindestens 20 dieser Bioionisatoren benötigen würde. Von der erfrischenden Nachgewitterluft konnte ich auch nicht viel verspüren und was den Zigarettenrauch anbelangt, Interessenten sind jederzeit herzlichst dazu eingeladen, die ehemals reinweißen Wände meines Hobbyraumes zu besichtigen. Um Gottes Willen! Jetzt hätte ich fast eine Kleinigkeit vergessen! Diese Kleinigkeit wiegt aber doch immerhin 68 Kilo und ist meine Frau. Sie kam damals gerade in dem Augenblick nach Hause, als ich die beiden weißen Streifen der Dioden bei ihrem Paarungsversuch überrascht hatte. Danach hat sie eine Woche kein Wort mit mir gesprochen. Nur weil ich ein bisschen geschimpft hatte. Sie hat aber gemeint, ich hätte einige Minuten geflucht wie ein Altwiener Bierkutscher und hätte sie auch angepfaucht, nur weil sie gemeint hatte, ich hätte vielleicht nur den Stecker verkehrt rum in die Dose gesteckt.
Nun wird sich der
Leser, soweit er noch vorhanden ist, fragen, was dies alles mit dem CB-Funk zu
tun hat. Aber mit diesem ersten selbst zusammengelöteten Bausatz hatte damals
meine Karriere als CB-Funker schon fast begonnen. Denn trotz meiner verbrannten
Fingerkuppen hatte es mir Spaß gemacht und der nächste Bausatz, den ich mir
kaufte, bestand aus einem Minisender, einem dazu passenden Empfänger und das
ganze natürlich mal zwei. Bei genauerem Studium der Beschreibung kam ich dann
zu dem Schluss, dass ich auch noch zwei Mikrophonkapseln benötigte, dazu auch
noch zwei Mikrofonverstärker, je einen Kipp- und Druckschalter, abgeschirmte
Kabel und, und ... Die beiden kleinen Lautsprecher klaute ich meiner Tochter aus
ihrem Kindertelefon, das seit einem Jahr unbeachtet in ihrem Kasten herumlag.
Mit Feuereifer machte ich mich an diese neue Selbstbestätigung. Im Anbetracht
des weit komplizierteren Aufbaues dieser beiden "handgestrickten"
Funkgeräte ging es eigentlich schneller voran, als ich gedacht hatte. Ich züchtete
zwar auch diesmal wieder einige der legendären "Kupferwürmer", aber
damit hatte ich nach meiner schon gemachten Erfahrung und der daraus
resultierenden gesunden Selbsteinschätzung gerechnet. Den Grundaufbau hatte ich
bald geschafft und es ging an den ersten Test. Er gelang auf Anhieb. Die
"Zentrale" legte ich meiner Tochter auf das Nachtkästchen und begab
mich mit dem Sender in den Hobbyraum. Als ich dann die Ruftaste drückte, hörte
ich gleich Claudias Begeisterungsschrei: "Papa, Papa, es hat gepfeift!"
Dieser erste Teiltest war also positiv. Jetzt ging's an den zweiten. Ich drückte
nun die Sendetaste und sprach den Namen meiner Tochter in die Mikrophonkapsel.
"Claudia, Claudia". Keine Antwort. Ich rief etwas lauter: "Claudiaaaaa".
Keine Antwort. Nun füllte ich meine Lungen mit der bioionisierten Luft meines
Zimmers und brüllte, was das Zeug hielt. Und nun endlich kam ihre Empfangsbestätigung.
"Ja Papa, jetzt hab' ich dich gehört. Ganz laut". Das war aber
trotzdem nicht der erhoffte Erfolg, denn meine Gattin, die gerade vom Einkauf
zurückkam, hatte mich auch gehört. Und das schon auf der Straße und ohne
Funkgerät. Als ich leicht vergrämt das Funkgerät von meiner Tochter holen
wollte, bekam ich es aber erst wieder zurück, nachdem wir uns aus jedem Winkel
der Wohnung x-mal "zugepfeift" hatten. Mein Stimmungsbarometer war natürlich
um einige Grade gesunken (eigentlich war ich echt sauer) und habe mir,
auch aus beruflichen Gründen, zwei Tage Pause auferlegt. Dann kam ein Feiertag
und mit neuem Elan ging ich wieder ans Werk. Ich weiß heute nicht mehr, welche
Fehler ich drei Tage vorher gemacht hatte, jedenfalls am späteren Nachmittag
war ich dann soweit, dass mir mein Tochter die schon erlernten Zahlen von 1-10
durchgeben konnte. Dann blieb Töchterchen in der Wohnung und Väterchen ging
mit dem Funkgerät auf die Straße, um die Reichweite zu testen. Nach vielleicht
30m hörte Väterchen von Töchterchen keinen Pieps mehr. Die kurzen Drahtstücke,
die ich als Antenne angelötet hatte, dürften doch nicht das Optimum gewesen
sein. Zurück in die Wohnung, ca. 7m Draht angelötet und wieder hinunter. Die
"Schleppantenne" hinter mir herziehend, schafften wir aber immerhin
schon an die 100 Meter! Wie waren beide begeistert. Kurz, bevor ich wieder das
Haustor erreicht hatte, hörte ich aus meinem Lautsprecher laut und deutlich
eine Männerstimme. Ich glaubte zu träumen. Lauthals brüllte ich in meine Gerät:
"Hallo, hallo." Ich brüllte solange, bis meine für einen Vertreter
typische Schüchternheit, auf die ich vor Begeisterung glatt vergessen hatte,
den empörten Blicken der vorbeigehenden Leute nicht mehr standhielt und ein
wenig verschämt flüchtete ich in den Hausflur. Trotz des Teilerfolges mit
meiner Tochter, war ich aber doch ziemlich enttäuscht und meine
Niedergeschlagenheit rührte sogar meinen Gattin. "Du wirst es schon noch
schaffen. Bei Deinem Dickschädel?!" Trotzdem bedurfte es noch zweier
doppelter "White Lable" und weiterer Trostworte meiner Holden, bis ich
mich etwas gefangen hatte. Nachdem ich mir auch noch zwei mehr als feuchte Bussi
von meiner Tochter geholt hatte, war die Welt wieder heil. Ich verwendete nun
zwei aus alten Radioapparaten ausgebaute Teleskopantennen, machte die Löcher für
die Antennen und die Schalter in das Gehäuse, bohrte fein säuberlich im Gießkannen-Muster
Dutzende kleine Löcher in den Deckel, verschloss diese dann wieder auf der
Innenseite mit Hilfe des aufgeklebten Lautsprechers und schloss die beiliegenden
9 Volt Batterien an. Nachdem ich dann noch die Kerne der Filter, so heißen die
Plastikröhrchen, um die einige Windungen Draht gewickelt sind, auf das größt
mögliche Rauschen abgestimmt hatte, stopfte ich alle Drähte hinein und
schraubte die Gehäuse zusammen. Der nachfolgende Straßentest mit meiner
Tochter gelang optimal. Stolz legte ich die Zwillinge vor mich hin. Ich war von
meiner Arbeit restlos begeistert. Die kommenden beiden Tage stand immer eines
der beiden auf meinem Schreibtisch und jede Stimme, die sich von dem leichten
Grundrauschen abhob, erfüllte mich mit Stolz. Vielleicht hätte ich sie noch
einige Tage länger eingeschaltet gelassen, aber erstens musste ich mich wieder
etwas mehr meinen beruflichen Agenden widmen und zweitens kam ich durch Zufall
dahinter, dass das immer häufigere Knallen der Türen in der Wohnung nicht vom
Luftzug stammte, sondern von meiner besseren Hälfte, die damit ihre Ablehnung
dem "Rauschen und dummen Gequatsche" gegenüber zum Ausdruck brachte.
Aber meine Tochter wenigstens war begeistert und freute sich immer schon auf den
nächsten Ausflug, wo wir uns funkmäßig so richtig austoben konnten. Um die
Nerven meiner extrem "rauschempfindlichen" Gattin zu schonen, baute
ich in eines der beiden Geräte einen Kopfhöreranschluss ein und konnte nun
ungestört den Lauschangriff auf die engere Umgebung meines Wohnhauses starten.
Nun, da ich an der Faszination des Funkens geschnuppert hatte, wuchs mein
Interesse ständig. Ich hatte in einem Gespräch (QSO) gehört, dass es sogar
Funkgeräte mit 12 Kanälen gab!! Mein Eigenbau hatte nur einen, den Kanal 9.
Verständlicherweise wollte ich nun unbedingt auch so ein "echtes"
Funkgerät besitzen. Ich zerbrach mir den Kopf, wie ich zu einem solchen
Wundergerät kommen könnte, ohne das damals ohnedies etwas knappe
Familienbudget zu sehr zu belasten. Wie es der Zufall wollte, gewann ich drei
Tage später einen firmeninternen Verkaufswettbewerb und somit auch die Summe
von 2.000 S. Also wenn das kein Wink des Schicksals war?! Gleich nach Erhalt
dieser Prämie fuhr ich in den nächsten Funkerladen.
Schon im Schaufenster
stach mir ein Gerät in die Augen und als es mir der Verkäufer auf das Pult
legte, stand es für mich fest. Dieses, oder keines! Es war als
Auto-Funk-Telefon deklariert, sah aber fast aus, wie ein normales schwarzes
Tischtelefon. Richtig elegant sah es aus und würde meinen Schreibtisch noch um
Einiges gediegener erscheinen lassen! Ich kaufte zusätzlich noch eine Balkonantenne,
diverse Kabel und Stecker und sogar ein Stehwellenmessgerät, von dessen
Notwendigkeit mich der Verkäufer überzeugt hatte. Als stolzer Besitzer eines
richtigen CB-Funkgerätes verließ ich das Geschäft. Der einzige
Wehrmutstropfen daran war, dass ich mein Girokonto um weitere 1.000 Schilling überziehen
musste (Antenne und Zubehör). Würde mich eben der Kassierer meiner Bank noch
freundlicher, als bisher begrüßen. Ich hatte nämlich festgestellt, dass er,
je höher ich mein Konto überzogen hatte, umso freundlicher zu mir war. Ich war
daher immer bemüht, ihm seine gute Laune nicht zu verderben. Daheim
angekommen, befestigte ich sofort die Antenne am Balkongeländer, schloss das
Antennenkabel mit dazwischengeschaltetem Stehwellenmessgerät am Funktelefon an
und ...... Verdammt, das Wichtigste hatte ich vergessen. Funkgeräte sind ja an
sich für den Betrieb im Auto gedacht und benötigen eine Spannung von 12 Volt.
Die hatte ich aber nicht. Meine Steckdosen lieferten nur 220 Volt und das hätte
meinem Funktelefon sicher nicht behagt. Also gut, hinunter und die Autobatterie
ausbauen. Andererseits jeden Tag die Batterie aus- und einbauen? Meine alte
Batterie hatte ich Rindvieh vor einem Monat weggeworfen. (Damals durfte man das
noch). Da kam die Erleuchtung! Ich hatte schon vor Jahren einen Netzadapter
gekauft, der wahlweise 3,6,9 und 12 Volt liefert. Ich war aus dem Schneider!
Nach ca. einer Stunde hatte ich dann endlich den Adapter und auch meine Ruhe
wieder gefunden. Das letztere im Gegensatz zu meiner Gattin, deren Stirne die
mir nur zu gut bekannten Plissee-Falten zeigte, weil ich im Zuge des Suchens die
Wohnung in einen etwas aufgelockerten Zustand versetzt hatte. Aber jetzt, so
kurz vor dem Ziel, ließ mich dies ziemlich unberührt. Ich musste sie nur hin
und wieder etwas beobachten. Wenn unter der gekrausten Stirne auch noch hektische Flecke auf den Wangen zu sehen waren, konnte der nächste Schritt der
Anruf bei ihrer Mutter sein und der darauf folgende wäre vielleicht der schon
einmal angedrohte Ehe-Urlaub bei Muttern gewesen. Eigentlich gar nicht schlecht,
wenn da nicht das Kochen und Wäschebügeln gewesen wäre! Ich schloss also nun
mit Hilfe des Netzadapters mein Funkgerät an, schaltete es ein und es
funktionierte! Kaum eingeschaltet, hörte ich laut und deutlich eine Stimme.
Sofort sagte ich mein "brake, brake" in den Hörer. Keine Antwort.
Wieder einige "brake, brake" und dabei bemerkte ich, dass bei jedem Drücken
der Sendetaste die Skalenbeleuchtung den Helligkeitsgrad einer
Luftschutzkellernotstrombeleuchtung annahm. Herrlich langes Wort, nicht? Ohne
lange herumzufackeln rief ich in dem Funkergeschäft an und berichtete dem Verkäufer
mein Problem. Dieser Depp lachte zuerst nur. Dann erklärte er mir, dass nicht
nur die Volt das Wichtige seien, sondern auch die Ampere. Für ein Funkgerät
benötige man ein eigenes Netzgerät mit mindestens 3'5 Ampere. Kleinlaut fragte
ich nach dem Preis. 590 Alpendollar! Im Geiste tauchte wieder das freundliche Lächeln
meines Bankkassiers auf. Meine Holde, leider befand sie sich im gleichen Raum,
wie der Telefonapparat, war natürlich bei meiner Frage nach dem Preis hellhörig
geworden. Notgedrungen erklärte ich ihr den Tatbestand. "Ein teures Hobby
hast Du Dir da zugelegt! Na ja, wir haben's ja!" Der häusliche Friede war
erst wieder hergestellt, nachdem ich ihr versprochen hatte, dass sie auch den
Plattengriller bekommen würde, den sie sich schon seit geraumer Zeit gewünscht
hatte. Als ich dann auch noch das Geschirr gespült hatte und ihr etwas später
auch noch einen anderen Wunsch erfüllt hatte, auf den ich hier nicht näher
eingehen möchte, lachte wieder die Sonne über dem häuslichen Herd. Am nächsten
Morgen, es war Samstag, holte ich dieses blöde Netzgerät und den noch viel blöderen
Plattengriller. Schatzis Freude kannte keine Grenzen. Ich hab' immer schon gewusst,
dass Frauen bestechlich sind. Jedenfalls umarmte und küsste sie mich überschwänglich.
Als ich mich nach Minuten, zumindest kam es mir so lange vor, ungeduldig ihrer
Umarmung entzog, um endlich zu meinem neuen Spielzeug zu kommen, verschwand sie
schmollend in der Küche. Vorschriftsmäßig verkabelte ich jetzt mein
Funk-Telefon mit Stehwellenmessgerät und Antenne, schloss es am Netzgerät an
und schaltete dieses erwartungsvoll ein. Wobei das Wort "vorschriftsmäßig"
nicht ganz zutreffend war, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Aber zurück zur Inbetriebnahme meines Funkgerätes. Die Skalenbeleuchtung
leuchtete herrlich hell und behielt diesen Zustand auch nach dem Drücken der
Sendetaste bei! Also so weit so gut. Nun zu der ominösen Stehwelle. Ich hatte
keine Ahnung was das war. Jedenfalls sollte beim Test der Zeiger laut der
Beschreibung auf der Skala so weit als möglich links stehen und keinesfalls im
roten Feld landen, wenn man die Sendetaste drückt. Also ich hielt mich genau an
die Anleitung und es dürfte auf Anhieb klappen. Weit und breit kein Zeiger zu
sehen. Aber meine Freude war nur von kurzer Dauer. Denn dieser idiotische Zeiger
war sehr wohl vorhanden, aber er klebte ganz rechts oben am Ende des roten
Feldes. Vor lauter Schreck schaltete ich sofort mein Funktelefon wieder aus.
Denn laut Funkgeräte-Hersteller führte eine schlechte Stehwelle zur Beschädigung
des Gerätes! Also studierte ich nun den Beipackzettel der Antenne. Aha, das war
es. Da war oben eine mit einem langen Gewinde verstellbare Spitze. Ich drehte
diese Spitze etwas weiter hinein und ging wieder zu meinem Funkgerät. Der
Zeiger grinste mich nach wie vor von ganz rechts oben an. Also wieder hinaus auf
den Balkon, Bolzen noch weiter hinein, wieder ins Zimmer, Zeigerkontrolle. Ohne
Erfolg. Er stand noch immer ganz oben im roten Feld. Es dürfte ihm dort
gefallen. Wieder hinaus. Ich drehte den Bolzen bis zum Anschlag hinein, zurück
ins Zimmer, kein Erfolg. Also das Ganze in die andere Richtung. Den Bolzen
herausdrehen, Funkgerät, Balkon, Funkgerät, Balkon usw. Langsam war ich sauer.
Endlich ein kleiner Hoffnungsschimmer! Der Zeiger bequemte sich endlich, von
seinem hohen Ross herunterzukommen. Nach einem weiteren Fußmarsch von 10
Minuten hatte ich nichts mehr zum herausdrehen und der Zeiger war zwar gesunken,
aber stand nach wie vor im Roten Bereich. Vielleicht hatte der komische
"Ausleger", der unten an der Antenne mit einer Flügelmutter befestigt
war, einen Einfluss? Und welchen Einfluss er hatte! Kaum hatte ich den Winkel
das "Gegengewichtes", so hieß dieser Ausleger, zur Antenne um eine
Kleinigkeit verstellt, stand der Zeiger sofort wieder an seinem Lieblingsplatz.
Aber keine Angst, nun verschone ich Sie mit den detaillierten Arbeitsschritten
(letzteres im wahrsten Sinne des Wortes). Jedenfalls nach weiteren 10 Minuten
hatte ich den Zeiger auf dem Strich, über dem 1'5 zu lesen war und das war laut
Hersteller schon ganz gut. Also hatte ich es geschafft! Aber zum Funken war ich
jetzt schon zu müde. Ich war es nicht mehr gewohnt, so weite Strecken zu Fuß
zu gehen. Meine Frau machte mir eine Jause und danach fiel ich groggy auf die
Couch. Falls dem aufmerksamen Leser aufgefallen sein sollte, dass ich trotz
meiner verdammten Gründlichkeit das Mittagessen ausgelassen habe, es war nicht
erwähnenswert, es gab nur Spinat mit Spiegelei. Ich habe tatsächlich bis 17h
geschlafen und ich hatte sogar geträumt, was bei mir äußerst selten der Fall
ist! Mein Traum hatte mich um gut 30 Jahre zurückversetzt. In die Zeit, als ich
als junger Pfadfinder oft stundenlange Gewaltmärsche absolvieren musste und
sich meine Mutter nachher mit Stecknadel und Puder meiner geschundenen Füße
annahm. Diese Erinnerung dürfte sich, ausgelöst durch den vorangegangenen Fußmarsch
Zimmer-Balkon-Zimmer, .... wieder in mein Unterbewusstsein geschlichen haben.
Trotz dem anstrengenden Traum war ich nach diesem Mittagsschläfchen frisch
erholt aufgewacht. Ich fand einen Zettel mit der Nachricht, dass Schatzilein und
Töchterlein etwas spazieren gegangen waren. Ich hatte also sturmfreie Bude.
Sofort setzte ich mich an mein Funktelefon und drehte begeistert den Kanalwähler.
Herrlich, um wie viel mehr an heillosem Durcheinander aus dem Lautsprecher
schallte. Kein Vergleich mit meinem taubstummen Selbstgestricktem. Plötzlich hörte
ich eine Station namens "Zwergpinscher", die ich sogar schon mit dem
Handsprecher gehört hatte. Also musste er hier in der Nähe sein. Sofort ließ
ich mein nun schon selbstbewussteres "brake, brake" hören. Nachdem
ich es ca. fünf Minuten hineintrompetet hatte, hörte ich, wie der
"Zwergpinscher" sagte: "Jo, Breka, kumm." Ging dies
vielleicht wirklich mich an? Und wieder der Zwergpinscher: "No wos is mit'n
Breka? Bist eh' g'hert. Oda wüllst neama?" Das dürfte wahrhaftig mir
gegolten haben! "Ja, entschuldigen Sie bitte, ich wollte nur sehen, ob mich
jemand hören kann." "Jo, i her di eh. Bist a Frischg'fangter, gö?
Wer bist denn?" "Ich heiße Horst Schneider". Oh verdammt, das
war blöd! Das hatte ich doch schon gewusst, aber in der Aufregung vergessen!
"Bist deppert? Om Funk deafst do net dein wirklichn Nomen sog'n. Host kan
Skip?" "Nein, ich hab' noch keinen." "No guat, bis'd an
ondern Skip host, sog i Frischgfang'ter zu dir. Einverstond'n?" "Na
ja, Frischling wär' mir eigentlich lieber." "No guat, bist hoit die
Station Frischling. Is e net schlecht, der Skip. Oba no wos. Om Funk red'ma net
nach der Schreibe. Is des okapperle? Du, aber i muass mi jetzt zwickn, mei Obawölln
woat mitn Nochtmoi. Also Frischling, wonnst'd mi wieda amoi heast, breks't di
eine. Also tschüss!" Und anscheinend zur einer anderen Station, die ich
aber nicht hören konnte: "Pepi, mia heanse e no speda. I winsch eich wos."
Ich nahm all meinen Mut zusammen. "O.K. Zwergpinscher, Danke und Tschüss."
Herr Gott, war ich ins Schwitzen gekommen! Ich war nervös gewesen, wie ein
Schulbub und hatte richtig schweißnasse Hände bekommen. Aber ich hatte mein
ersten Gespräch mit einem echten Funker gehabt, und einen Skip hatte ich auch
schon. Ich war jetzt die CB-Station "FRISCHLING". Aber ich hatte
gesehen, dass ich noch einiges zu lernen hatte, wenn ich mich nicht wieder
blamieren wollte. Also verbrachte ich die Abende der nächsten 2 Wochen nur
lauschend und notierte mir alles, was mir wichtig erschien und langsam verstand
ich auch die etwas eigenartige Funkersprache. Zum Beispiel erfuhr ich, dass die
"Oberwelle" die Frau des Funkers war, die "Unterwelle" aber
der Mann der Funkerin, als überzeugten Männerrechtler stört mich dies heute
noch, die Kinder waren die Mikros (Mikrowellen), die Eltern waren die
"Untergrundwelle" und die "Obergrundwelle" usw. Außerdem
erfuhr ich, dass ich den Zeitpunkt für den Kauf meines Funkgerätes gar nicht
besser hätte wählen können. Bis vor drei Wochen war der Kauf eines Funkgerätes
nur in Verbindung mit einem ausgefüllten Formular der Post- und
Telegrafenverwaltung möglich gewesen und man musste für den Betrieb desselben
auch bezahlen. Ähnlich einer Fernsehbewilligung. Also war ich einige Monate mit
meinen "Selbstgebauten" unerlaubt unterwegs gewesen. Aber von wegen
unerlaubt. Es kam noch viel dicker und dies bereitete mir einen kleinen Schock!
Man durfte von zu Hause nur mit einem Handsprechgerät (Handgurke) sprechen, die
sogenannten Mobilgeräte durften nur in einem KFZ benützt werden. Und mein
"Autofunktelefon" war so ein Mobilgerät. Also war das, was ich seit
mehr als zwei Wochen tat, verboten. Noch dazu war meine Balkonantenne schon von
weitem sichtbar! Also nichts wie weg damit und immer erst nach Einbruch der
Dunkelheit montiert. Aber ich lernte schnell und es gab wieder eine neue
Herausforderung für mich. Wie konnte ich mein Funkgerät in Sekundenschnelle
verschwinden lassen, falls wirklich einmal die gefürchtete "FÜ"
(Funküberwachung) bei mir auftauchen sollte, wie konnte ich meine Antenne für
Uneingeweihte unsichtbar werden lassen (der Efeu meiner Gattin leistete ganz
gute Dienste), wie konnte ich ein Antennenkabel fix verlegen, ohne dass man es
sehen konnte und vieles mehr. Langsam wurde ich zum echten Profi im Kampf gegen
den (gottlob) imaginären Gegner Funküberwachung und kam mir manchmal vor, wie
ein Mini-Agent. In der Zwischenzeit hatte ich mich auch schon als Funker
etabliert und die meisten der CB-Funker in meinem Bezirk kannten mich schon.
Dann lernte ich eine "Brakerin" kennen, die schon ewig auf der "QRG"
war und "einen Narren an mir gefressen hatte". Sie nahm mich sofort
unter ihre mütterlichen Fittiche. Als Erstes wurde ich von ihr einmal umgetauft
(den Skip hab ich heute noch). Dann wurde ich jedem
einzelnen ihrer Funkerfreunde, und es waren unzählige, als ihre ureigendste
Entdeckung vorgestellt. Sie schleppte mich richtiggehend von Funkertreffen zu
Funkertreffen, von Wohnung zu Wohnung und nach 6 Monaten kannte ich so ziemlich
jeden "Altbraker" von Wien. Jetzt musste ich natürlich auch etwas
mehr Leistung bekommen, damit sie mich auch alle hören konnten. Mit den damals
erlaubten 0'5 Watt bestand fast keine Chance, über die angrenzenden Bezirke
hinauszukommen. Aus diesem Grund fuhren auch viele Funker mit ihrem PKW, genannt
"Vierkreiser", auf die Parkplätze der umliegenden "Berge".
Hauptsächlich waren dies Cobenzl, Kahlenberg, oder der Laaerberg im 10.Wiener
Gemeindebezirk. Manche CB-Fanatiker fuhren sogar bis zum Braunsberg an der
tschechischen Grenze. Aber dazu war ich doch etwas zu bequem. Da war es von
meinem eleganten Schreibtisch aus schon viel gemütlicher. Außerdem war zu
Hause auch der wichtige Reiz der Gefahr mit im Spiel. Mein erster Leistungsverstärker,
genannt "Kocher" war ebenfalls ein selbstgebauter und brachte die
damalige Wahnsinnsleistung von 5 Watt! Man soll's nicht unterschätzen. Immerhin
war es die 10-fache Leistung des Erlaubten! Ab nun zählte ich sogar zu den
starken Wiener Stationen. Ungefähr ein Jahr lang genoss ich es, zum Kreis der
"alten Hasen" zu gehören, aber das oft belanglose Geplauder war dann
auf Dauer doch nicht ganz nach meinem Geschmack. Wenn da nicht diese
phantastische Kameradschaft gewesen wäre! Noch nie zuvor hatte ich eine
derartige Freundschaft und Hilfsbereitschaft kennen gelernt. Erlebnisse in dieser
Richtung würden alleine schon etliche Seiten füllen. Aber trotzdem reizte mich
eigentlich immer mehr das Rundherum des CB-Funks. Vor allem die Technik dieses
Hobbys faszinierte mich ungemein, aber auch das andere "know how":
Womit kann ich mich gegen einem überraschenden Besuch der "FÜ"
absichern, wie kann ich ihnen das etwaige Aufspüren meiner Anlage so schwer als
möglich machen, usw. Langsam wurde ich zum echten Profi auf diesem Gebiet und
auch die Funkgeräte, die ich im Laufe der Zeit besessen hatte, hatten meist
andere Innenleben, als es von außen den Anschein hatte. Auch ein Tonbandgerät,
bei oberflächlicher Begutachtung voll funktionsfähig, war in Wirklichkeit nur
das Gehäuse für ein Funkgerät, an dem so ziemlich alles verboten war. Jetzt
wurden auch immer öfters Geräte aus dem Ausland hereingeschmuggelt (damals
zumeist aus Italien) und auf Umwegen kam auch ich in den Besitz solcher
"Unpostalischen". Sie hatten nicht nur mehr Ausgangsleistung und mehr
Kanäle, sondern auch andere Modulationsarten. Erlaubt war nur AM (Ampliduden
Modulation). Diese erwähnten Geräte besaßen auch noch FM (Frequenz
Modulation), damals für den "Insider" mehr als uninteressant, USB (Uper
Sideband) und LSB (Lower Sideband). Die beiden letzteren stellten das Non plus
Ultra dar. Doch dazu später. Mein erstes unpostalisches Gerät besaß
ausgefallenerweise 56 Kanäle (mit den sehr seltenen und auch heute noch
verbotenen "Zwischenfrequenzen") und hatte nur Ampliduden Modulation.
Aber von der Leistung her war es ein echtes "Kraft-Paket". Wen es
interessiert: 10 Watt Trägerleistung, aufmodulierend auf 30 Watt !!!! Dies
bedeutete damals schlicht und einfach folgendes für mich: Auf einen
"oberen" Kanal gehen, hineinzupfeifen, mein DX-Sprüchlein aufsagen
und nach drei, vier Sekunden meldete sich zumeist auch schon der erste
Italiener. Hauptsächlich waren es Sizilianer. Aber das Allerschönste: All dies
ohne dem starken Grundrauschen der heute vorgeschriebenen Frequenzmodulation.
Den Sqelch benötigte man fast nie. Diese "grenzüberschreitenden Gespräche"
waren aber streng verboten. Warum, das weiß ich bis heute noch nicht.
Jedenfalls waren sie daher umso interessanter. Das nächste
"Unpostalische" war dann schon eine "Seitenband-Kiste". Hier
ins Detail zu gehen und über Bodenwellen, Raumwellen, Atmosphäre, Shortskip
usw. zu sprechen, würde zu weit führen. Jedenfalls eröffneten sich mit dem
Seitenband wieder neue Möglichkeiten. Die zu "überschreitenden
Grenzen" lagen nun schon etwas weiter weg und man war daher
"gezwungen", mehrere europäische Landesgrenzen hintereinander zu
passieren. Dies verlangte zwar schon etwas mehr Leistung, aber ich bin heute
noch stolz darauf, dazu nie mehr, als maximal 80 Watt output (meist weniger) benötigt
zu haben. Meine DX-Gespräche mit Frankreich, England, Irland, Wales, Spanien,
Portugal usw. brachten der Post nicht gerade wenig an Portogebühren ein, denn
jedes Gespräch wurde nach Durchgabe der "Koordinaten" (Funkername und
Postfachanschrift) mit einer sogenannten "QSL-Karte" bestätigt. Erst
heute fällt mir ein, dass wir "Grenzsünder" gute Kunden der Post
waren und eigentlich eine kleine Anerkennung verdient hätten. Statt dessen
wurden wir gesucht und oft genug auch gefunden. Alleine schon der dazu nötige
Personalaufwand! Kein Wunder, dass unsere Post defizitär arbeitet! Dies nur als
kleiner Gedankensprung. Dann aber wagte ich eines Tages einen anderen Sprung.
Den ersten über das große Wasser. Zuerst Amerika, dann Afrika, Brasilien, die
Karibik (West Indien) usw. Die Kosten für die QSL-Karten wurden langsam zu
einer Belastung für das Familienbudget und ich musste all meine psychologische
Erfahrung aufwenden, um meiner Holden die Beweggründe für diesen "Blödsinn"
zu erklären. "Schau Schatzi. Denk an Deinen Lieblingssender Ö3, den gab's
damals auch schon, kaum fährst Du ein wenig weiter weg von Wien, hörst Du ihn
nicht mehr. Trotz gigantischer Leistung und riesigen Antennen. Ich habe nur
dieses kleine Kistchen da und am Balkon eine Mini-Antenne und trotzdem hört man
mich auch noch in x-tausend km Entfernung. Kannst Du nicht verstehen, dass mich
das reizt?" "Ja das verstehe ich schon, aber immer das gleiche Bla,
bla, bla. Wie ist das Wetter bei Euch? Welche Geräte hast Du? Bist Du
verheiratet? Wie alt bist Du, Deine Frau, Deine Kinder? Wie sind meine Werte bei
Dir? Dann vielleicht noch eine kurze, belanglose Plauderei, die Durchgabe der
Adresse und das war's auch schon." Natürlich verteidigte ich vehement mein
"völkerverbindendes" Hobby, aber ehrlich gesagt, ich hatte mir schon
seit einiger Zeit dasselbe gedacht wie meine Frau und nach dem siebenten
Fotoalbum voll QSL-Karten hörte ich auf mit dem "QSL-Karten-Sammeln"
und "traf" mich nur mehr mit bekannten Stationen, die so wie ich mehr
am "Rundherum", also dem Technischen interessiert waren. Zum Großteil
waren es Auslands-Deutsche aus Italien, Spanien, dem arabischen Raum und
Amerika. Deutschland direkt bekam man damals von Wien aus fast überhaupt nicht
vor den "Spargel" (Antenne). Ich hab' einmal im Spaß gemeint, ich würde
10 Qsl-Karten aus Übersee gegen einen waschechten Münchner tauschen. Doch auch
diese DX-Phase verlor langsam ihren Reiz für mich und die eingelegten
Funkpausen wurden immer länger. Zuerst nur Wochen, dann Monate und sogar Jahre.
Dann wieder eine kurze CB-Phase, eigentlich eher ein Suchen nach alten
Bekannten, die zumeist ebenfalls das Interesse verloren hatten. Riesengroß war
dann aber immer die Freude, einen dieser alten Kumpel wieder zu hören. Doch von
allen kam sinngemäß der gleiche Tenor: CB-Funk? Den kannst Du heute fast
vergessen. Nur mehr "Trägersetzen", ordinärstes Schimpfen und vor
allem keine Kameradschaft mehr. Von der ehemaligen Hilfsbereitschaft, die
manchmal fast bis zur Selbstschädigung ging, ganz zu schweigen. Nicht mal
mehr auf der Straße gibt es sie. Also plaudert man dann noch ein wenig über
die alten "AM-Zeiten", trifft sich vielleicht noch einige Male und
dann "vertschüsst" man sich wieder auf unbestimmte Zeit. Heute
schalte ich nur mehr sehr sporadisch und selten mein Funkgerät ein und bin
sogar fast immer ganz "postalisch". Nur an diese "saublöde
Frequenzmodulation" kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Spricht man mit
einer in der Nähe befindlichen Station, kann man den Squelch zumachen und damit
dieses infernalische Rauschen unterdrücken. Möchte man aber etwas entferntere
Stationen hören, muss man den Squelch wieder außer Funktion setzen und handelt
sich damit mit Sicherheit auf lange Sicht gesehen, einen Gehörschaden ein.
Mitunter höre ich Stationen, die ich noch von früher kenne und würde ganz
gerne etwas mit ihnen plaudern, aber weil diese Funker ebenfalls den Squelch
zugemacht haben, habe ich keine Chance, dass sie mein verzweifelten "Brake,
brake" hören. Dies ist dann immer wieder ein Grund für mich, begleitet
von meinem Lieblings-Kraftausdruck dieses "Teppenkistel" abzuschalten
und es eine Zeitlang, irgendwann einmal wahrscheinlich auf ewig, in diesem
Zustand zu belassen.

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